Diskursanalyse zur Berichterstattung über die NSU-Morde

Der Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus führt gegenwärtig gemeinsam mit der Universität Bremen (Prof. Dr. Tanja Thomas) und der Leuphana Universität Lüneburg (Prof. Dr. Elke Grittmann) ein Forschungsprojekt durch, das die Berichterstattung deutsch- und türkischsprachiger Printmedien vor Bekanntwerden der Täterschaft seitens des NSU diskursanalytisch untersucht.

Erste Ergebnisse der Text- und Bild-Diskursanalyse der bundesweiten und regionalen Berichterstattung in Printmedien zeigen, dass die faktische Unkenntnis der ermittelnden Behörden zwar benannt wurde, dennoch aber vielfach deren oder eigene Mutmaßungen über Tatmotive und Täterkreise verbreitet wurden. Für die diskriminierende Berichterstattung paradigmatisch steht der medial vielfach verwendete Begriff der ›Döner-Morde‹. Die Orientierung der Medien an der polizeilichen Interpretation zeigt auch die Berichterstattung über die 2. Operative Fallanalyse (OFA) der Polizei aus dem Jahr 2006. Darin wurde erstmals auch eine rassistische Motivlage ernsthaft für möglich gehalten. Mit der kurz darauf folgenden 3. OFA, die wieder die falsche These von der ›Organisierten Kriminalität‹ vertrat, verschwand die Frage nach einem rassistischen Hintergrund auch wieder aus der Berichterstattung. Zugleich enthielt insbesondere die Berichterstattung regionaler Medien auch zahlreiche wertschätzende Darstellungen der Opfer. Dass sich die Berichterstattung der türkischsprachigen Medien nur graduell von der der deutschsprachigen Zeitungen unterschied, ist insbesondere mit den fehlenden Korrespondent*innen in Deutschland zu erklären. In der Folge wurde die deutschsprachige Berichterstattung einfach übernommen.

Die Ergebnisse des Projektes, das durch die Otto-Brenner-Stiftung finanziert wird, werden im August 2014 vorliegen.