Sprachbilder und Bildersprache

Thema/Hintergrund

Mitarbeit von Jürgen Heckel, Eva Oswald, Stefan Rappenglück und Florian Wenzel: Achtung (+) Toleranz. Wege demokratischer Konfliktregelung. Praxishandbuch für die politische Bildung, 4. überarbeitete Auflage mit Praxisanleitung auf CD-ROM, Gütersloh 2006.

Auf verschiedenfarbige Zettel schreiben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Assoziationen zu den Begriffen »Asylbewerber«, »Asylant«, »Ausländer« und »Flüchtling«. Die Zettel werden auf vier große Plakate geklebt. In Kleingruppen erhalten die Seminarteilnehmenden Kopien mit Textauszügen und Bildern aus Zeitungen und Zeitschriften zu einem aktuellen politischen Thema. Diese sollen mittels vorgegebener Leitfragen analysiert werden. Die Ergebnisse werden im Plenum präsentiert. Im Reflexionsgespräch werden die Begriffsassoziationen zu Beginn der Einheit wieder aufgegriffen.

Ziele

  • Rolle und Funktion der Medien im Prozess der Meinungs- und Vorurteilsbildung untersuchen
  • Parolen und Bilder aus der gesellschaftlichen Öffentlichkeit analysieren
  • Aufgaben der Medien in der Demokratie diskutieren
  • Sensibilität für die Sprache der Medien wecken bzw. stärken

Fähigkeit zum differenzierten Umgang mit der Darstellung von Sachverhalten und Meinungen in den Medien fördern (zwischen den Zeilen lesen).

Durchführung der Übung

Im Seminarraum hat das Leitungsteam vier große Plakate aufgehängt, die mit den Begriffen »Ausländer«, »Asylbewerber«, »Asylant« und »Flüchtling« beschriftet sind. Die Teilnehmenden werden aufgefordert, auf verschiedenfarbigen Zetteln ihre Assoziationen zu den Begriffen zu notieren. Das Leitungsteam klebt die Zettel auf die jeweiligen Plakate.

Anschließend erhalten alle Teilnehmenden Auszüge aus Presseartikeln zu einem Thema. Folgende Themen bieten sich im Kontext dieser Übung an:

  • Zuwanderung und Integration
  • Rechtsextremismus und Gewalt
  • Religiöse Toleranz
  • Wahlkampfaussagen von Parteien

 

In Kleingruppen werden zwei bis drei Beispiele zum gewählten Thema bearbeitet, die sich die Teilnehmenden aussuchen können (Arbeitsblatt F.II.).

Die Gruppen erhalten für das Lesen und Bearbeiten der Texte etwa 45 Minuten Zeit. Die Ergebnisse sollen stichwortartig notiert (am besten auf einem Flipchart) und nachher im Plenum den anderen Gruppen vorgestellt werden. Die Ordnungskriterien bestimmen hierbei die Gruppen selbst, beispielsweise »Beschreibung der Rolle von Ausländern« oder »Darstellung des Rechtsextremismus aus unterschiedlichen Blickwinkeln«.

Variante 1: Assoziativer Einstieg

Eine Möglichkeit besteht darin, die Bilder auf Overheadfolie zu kopieren und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor Beginn der Kleingruppenarbeit kurz nacheinander zu zeigen (bis zu eine Minute pro Bild). Dazu kann im Hintergrund Musik abgespielt werden. Dieser assoziative Einstieg ist gut dazu geeignet, die Teilnehmenden auf der Gefühlsebene anzusprechen – z. B. Auslösen von Mitleid, Bedrohungsängsten etc.

Die Bilder bleiben zunächst unkommentiert und werden im Reflexionsgespräch wieder aufgegriffen. Als Bilder eignen sich insbesondere Karikaturen, Titelbilder u. ä. aus Zeitungen und Zeitschriften, in denen sich Klischees und Stereotypen über Ausländer_innen, Asylbewerber_innen, Flüchtlinge und den Rechtsextremismus wiederfinden. Ebenfalls eingesetzt werden können in diesem Zusammenhang Schlagzeilen aus der (Boulevard-)Presse, z. B.:

• »Volles Boot« als Sinnbild für den »Ansturm« von Flüchtlingen auf Deutschland

• die »Welle« von Flüchtlingen und Asylbewerbern, die über Deutschland »schwappt«

• eine »Flüchtlingsmasse«, die auf die Grenzen Deutschlands zuströmt

Variante 2: Bild- und Textanalyse

Die Teilnehmenden erhalten nicht nur Textauszüge, sondern auch Bilder (Titelbilder von Zeitschriften, Karikaturen in Zeitungen, Fotos mit Schlagzeilen u. ä.) zum Thema. Eine Hälfte der Gruppe analysiert die Bilder, die andere Hälfte die Textauszüge mit Hilfe der vorgegebenen Leitfragen.

Auswertung

Die Gruppen stellen ihre Ergebnisse vor. Im Anschluss werden Verständnisfragen geklärt und insbesondere die verschiedenen Wirkungsmöglichkeiten von Presseauszügen bzw. Bildern diskutiert. In diesem Zusammenhang können die Begriffs- und Bildassoziationen zu Beginn der Übung wieder aufgegriffen werden.

Leitfragen für die Diskussion

- Welches Bild von Ausländer_innen, Asylant_innen, Flüchtlingen und Asylbewerber_innen vermitteln die Medien?

- In welchem Verhältnis steht die Berichterstattung zur tatsächlichen Bedeutung der Thematik?

- Wie werden Wertungen oder gar Vorurteile transportiert?

- Wie und warum wird dieselbe Nachricht unterschiedlich dargestellt?

- Gibt es Verbindungen oder Parallelen zu den Assoziationen der Teilnehmenden?

Rahmenbedingungen

Zeit:

- 1,5 bis 2 h

Material:

- Arbeitsblatt F. II

- Bild- und Textvorlagen entsprechend den Themenschwerpunkten

- Vier Plakate mit entsprechender Beschriftung

- Overheadprojektor oder Computer mit Beamer

- Flipchart

- Moderationskoffer

Arbeitsmaterial

- Arbeitsblatt F. II


Themen
  • Berichterstattung in den Medien
Schlagworte
  • Mediale Berichterstattung
  • Einstellungsmuster der Mehrheitsgesellschaft
  • Alltagsrassismus
  • Zuschreibungen
  • Othering
Zielgruppen
  • Multiplikator_innen/Lehrer_innen
  • Menschen mit Migrationsgeschichte/People of Color
  • Engagierte Bürger_innen
Mediengattung
  • Unterrichtsmaterial/Arbeitshilfe