Keine Toleranz der Intoleranz – Zivilcourage

Thema/Hintergrund

Adaptiert und erweitert aus: Ulrich, Susanne, unter Mitarbeit von Jürgen Heckel, Eva Oswald, Stefan Rappenglück und Florian Wenzel: Achtung (+) Toleranz. Wege demokratischer Konfliktregelung. Praxishandbuch für die politische Bildung, 4. überarbeitete Auflage mit Praxisanleitung auf CD-ROM, Gütersloh 2006.

Das Leitungsteam zeigt den Kurzfilm »Der Schwarzfahrer« (online verfügbar https://www.youtube.com/watch?v=swJ0zhVJ8DU), der das Thema Zivilcourage zum Gegenstand hat. Er soll dazu anregen, über mögliche Reaktionen auf eine beobachtete Diskriminierung zu diskutieren. Danach werden Rollenspiele durchgeführt, um verschiedene Handlungsoptionen auszuprobieren.

Ziele

  • Den Blick der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf alltägliche Diskriminierung und Rassismus lenken
  • Reaktionsmöglichkeiten gegenüber Diskriminierung kennen lernen
  • Lernen, sich von rassistischen und diskriminierenden Äußerungen in der Öffentlichkeit zu distanzieren
  • Erfahren, dass durch das Herstellen von Allianzen diskriminierenden Äußerungen wirkungsvoll begegnet werden kann

Durchführung der Übung

Phase A

Die Übungsleitung zeigt den Teilnehmenden den Film 'Der Schwarzfahrer'. Anschließend werden die Teilnehmenden zu einer Reflexion eingeladen (Arbeitsblatt C.III.1. und C.III.2.). Sie diskutieren das Verhalten der Akteur_innen und insbesondere Aspekte, die das Thema »Zivilcourage« betreffen. Was kann man tun, wenn die eigene Grenze der Toleranz erreicht ist? Was hindert Menschen, in solchen Situationen einzuschreiten? Die Teilnehmenden sollen entscheiden, ob es in dieser Situation sinnvoll wäre, einen partnerschaftlichen Dialog mit der alten Dame zu führen. Wenn ja, wie könnte so ein Dialog aussehen? Wenn nein, was ließe sich tun, um ihr zumindest klarzumachen, dass man ihren Äußerungen nicht zustimmt und ihr Verhalten in der Öffentlichkeit auf keinen Fall tolerieren will? Wie kann man trotz der enormen Peinlichkeit der Situation einen »Einstieg« finden, um einzuschreiten? Wie muss ein solches Einschreiten aussehen, damit es nicht zu einer weiteren Eskalation der Situation führt und die beleidigte Person nicht in größere Schwierigkeiten oder Peinlichkeiten gerät? Was ist zu tun, wenn es sich um eine Gruppe randalierender Jugendlicher handelt und die Situation gefährlich werden könnte? Welche Möglichkeiten couragierten Einschreitens bestehen dann?

Ziel dieser Diskussion ist es, möglichst viele verschiedene Wege für einen deeskalierenden und konstruktiven Umgang mit Konfliktsituationen zu finden, um die Wahlmöglichkeiten in einer vergleichbaren Situation zu erhöhen. Hierbei hat es sich besonders bewährt, reale Situationen aus dem Alltag der Teilnehmenden als Fallbeispiele zu wählen und die anderen zu bitten, aus ihrem Erfahrungsschatz zu berichten.

Phase B

Die Teilnehmenden können nun in einem Rollenspiel die Situation in der Straßenbahn nachspielen. Eine Person übernimmt die Rolle der alten Dame, die über den Schwarzen neben sich schimpft und gängige Klischees über Ausländer_innen nennt. Es werden Stühle aufgestellt, um die Anordnung in der Straßenbahn zu simulieren. Einige weitere Teilnehmende aus der Seminargruppe werden gebeten, die anderen Fahrgäste zu spielen und Strategien anzuwenden, um couragiert gegen die alte Dame einzuschreiten. Der Rest der Seminargruppe beobachtet das Geschehen und die Wirksamkeit der Interventionen.

Schließlich stellt das Leitungsteam die drei Schritte des »notwendigen Distanzierens« als eine (nicht als die beste oder einzige) Möglichkeit für den Umgang mit extremen Positionen vor (Arbeitsblatt C.III.3.). Die Szene aus dem Film oder eines der Fallbeispiele kann nun als Vorlage für ein weiteres Rollenspiel dienen, bei dem mit Hilfe der drei Schritte diskriminierendem Verhalten begegnet werden soll.

Auswertung

Phase A

In einer Blitzlichtrunde schildern die am Rollenspiel Beteiligten kurz ihre Gefühle während der Simulation. Anschließend werden die verschiedenen Strategien und ihre Erfolgsaussichten diskutiert. Die Person, die die alte Dame gespielt hat, kann z. B. beschreiben, wie die Interventionen auf sie gewirkt haben. Die Beobachter_innen des Rollenspiels geben ihre Wahrnehmung des Geschehens wieder.

Es sollte in jedem Fall noch auf eine Situation eingegangen werden, die sich für die Beteiligten möglicherweise gefährlich hätte entwickeln können. Was kann ich tun, wenn meine körperliche Unversehrtheit oder die anderer Personen in Gefahr ist? An dieser Stelle sollten möglichst viele Strategien aufgezeigt werden, die es den gefährdeten Personen ermöglichen, die Gefahr selbst abzuwehren oder Hilfe zu holen.

Phase B

Abschließend füllen alle Teilnehmenden einen Arbeitsbogen (C.III.4.) aus. Dieser Arbeitsbogen kann als »Selbstverpflichtung« angesehen werden. In jedem Fall verbleibt er diskret bei den Teilnehmenden. Die Antworten auf diese Fragen werden nicht abgefragt.

Im Abschlussblitzlicht werden alle Teilnehmenden zur generellen Umsetzbarkeit der Anregungen befragt. In Hinblick auf die Dauer der Übung sollte jede und jeder nur noch eine kurze Bemerkung machen. Wie immer bleiben diese Äußerungen unkommentiert.

Rahmenbedingungen

Zeit:

- 2 bis 2 ½ h

Material:

- Arbeitsblätter C. III. 1. – C.III.4.

- Beamer

- Computer mit Internetzugang

Arbeitsmaterial

- Arbeitsblatt C.III.1.

- Arbeitsblatt C.III.2.

- Arbeitsblatt C.III.3.

- Arbeitsblatt C.III.4.


Themen
  • Rassismus und Menschenrechte
  • Institutioneller Rassismus
Schlagworte
  • Einstellungsmuster der Mehrheitsgesellschaft
  • Alltagsrassismus
  • Sicherheitsgefühl
  • Diversität
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  • Multiplikator_innen/Lehrer_innen
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