Gedenkarbeit

Thema/Hintergrund

Am 6. April 2006 starb Halit Yozgat in den Armen seines Vaters Ismail, nachdem er in seinem Kasseler Internetcafé zweimal in den Kopf geschossen wurde. Halit Yozgat gilt als neuntes Mordopfer in der Terrorserie des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU). Seit dem 6. Mai 2013 wird vor dem 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts München gegen mehrere Personen verhandelt, die in Verbindung mit dem (NSU) und den sogenannten NSU-Morden gebracht werden.

Der Vater von Halit Yozgat, Ismail Yozgat, beginnt seine Erklärung vor Gericht mit den Worten: "Ich bin Ismail Yozgat, Vater des 21-jährigen Halit Yozgat, der unschuldig in Deutschland getötet wurde". Während des Verhandlungstages hatte Ismail Yozgat ein kleines selbsterstelltes Plakat an seinen Platz gehangen, das neben einem Bild seines lächelnden Sohnes Halit (im Alter von 12 Jahren) folgenden Text enthielt: „Halitstrasse oder ich will meinen Sohn zurück“.

Durchführung der Übung

Die Seminarleitung bittet die Teilnehmenden zunächst in Einzelarbeit (30 Minuten) den Text „Zwischen Hegemonialität und Mulitiplität des Erinnerns. Suchbewegungen einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem NSU“ von Ayşe Güleç und Lee Hielscher zu lesen und die wichtigsten Punkte zur Gedenkarbeit hinsichtlich der Mordopfer der Terrorserie zusammenzufassen.

In der Diskussion werden diese aufgegriffen und in Zusammenhang mit der Forderung (Arbeitsblatt E.V.) von Ismail Yozgat gesetzt, mit der Leitfrage:

- Wie unmöglich erscheinen die Forderungen von Ismail Yozgat?

In einem zweiten Schritt bittet die Seminarleitung die Teilnehmenden in zwei Kleingruppen (15 Minuten) folgende Fragestellungen zu bearbeiten und die Ergebnisse auf einem Flipchart festzuhalten:

a) Wie müsste öffentliches Gedenken an die Opfer von rassistischer Gewalt in Deutschland aussehen?

b) Und wie sollte sie keinesfalls gestaltet werden?

Auswertung

Zurück im Plenum werden die Ergebnisse präsentiert und es folgt eine abschließende Diskussionsrunde.

 

Leitfragen für die Diskussion

Folgende Fragen können in den Diskussionen aufgegriffen werden:

- Welche Rolle spielt die Stellung des primären Opfers rassistisch motivierter Gewalt im gesamtgesellschaftlichen und ggf. regionalen sozialen Gefüge?

- Welche Personen und Personengruppen sind Akteure?

- Welche Akteure sind im Falle der Trauer- und Gedenkarbeit deutungsmächtige Akteure und welche nicht? Diskutieren Sie die Machtgefälle.

- Wie wirken sich Deutungsmächtigkeiten aus und worauf ist zu achten?

- Welche Formen kann eine Instrumentalisierung von Gedenkarbeit annehmen und aus welchen Gründen kann es zur Instrumentalisierung kommen? Wie kann dieser begegnet werden?

Mit welchen Reaktionen muss/kann aus dem örtlichen Gemeinwesen gerechnet werden und wie lässt sich im Sinne der Angehörigen der Opfer - aber auch im Sinne von Menschen, die aufgrund äußerer Merkmale und Zuschreibungen häufig Opfer von rassistischer Gewalt und/oder Deskreditierung werden, damit umgehen?

Rahmenbedingungen

Zeit:

- 1 bis 1,5 Stunden

Material:

- Text: „Zwischen Hegemonialität und Mulitiplität des Erinnerns. Suchbewegungen einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem NSU“ von Ayşe Güleç und Lee Hielscher

- Arbeitsblatt E. V.

- Flipchart

- Moderationskoffer

Arbeitsmaterial

- Arbeitsblatt E. V.


Themen
  • Forderungen aus der migrantischen Community
Schlagworte
  • Mediale Berichterstattung
  • Einstellungsmuster der Mehrheitsgesellschaft
  • Alltagsrassismus
  • Zuschreibungen
  • NSU-Prozess
  • NSU
  • Othering
Zielgruppen
  • Multiplikator_innen/Lehrer_innen
  • Menschen mit Migrationsgeschichte/People of Color
  • Engagierte Bürger_innen
Mediengattung
  • Unterrichtsmaterial/Arbeitshilfe