Aus gut unterrichteten Kreisen verlautet…

Thema/Hintergrund

Adaptiert und erweitert aus: Ulrich, Susanne, unter Mitarbeit von Jürgen Heckel, Eva Oswald, Stefan Rappenglück und Florian Wenzel: Achtung (+) Toleranz. Wege demokratischer Konfliktregelung. Praxishandbuch für die politische Bildung, 4. überarbeitete Auflage mit Praxisanleitung auf CD-ROM, Gütersloh 2006.

Die Teilnehmer_innen vollziehen den Prozess der Bildung von Gerüchten durch Kommunikation nach. Dazu wird von einer Person aus der Seminargruppe die Beschreibung eines Bildes, das nur sie gesehen hat, an eine weitere Person weitergegeben. Diese gibt das Gehörte ihrerseits an die nächste weiter. Die Veränderungen im Prozess der Weitergabe werden in der Auswertung thematisiert.

Ziele

  • Lernen, wie Gerüchte entstehen
  • Erkennen, dass keine Wahrnehmung objektiv sein kann, sondern immer der persönlichen Vorstellungswelt der Betrachterin oder des Betrachters entspringt
  • Erkennen, dass Kommunikation niemals transparent ist, sondern auch zu Veränderungen und Verzerrungen führen kann
  • Erkennen, dass Vorurteile und Stereotype Einfluss darauf haben, wie die Umwelt wahrgenommen und mitgeteilt wird
  • Begreifen, dass Vorurteile zur Verstärkung von Gerüchten beitragen können

Durchführung der Übung

Die Seminargruppe wird in zwei etwa gleich große Gruppen aufgeteilt. Ein Teil der Gruppe verlässt den Raum, bis das Leitungsteam die Gruppenmitglieder nacheinander wieder herein ruft. Der Rest der Gruppe bleibt im Seminarraum und wird mit der Beobachtung betraut. Die erste Person, die hereinkommt, sieht sich etwa eine Minute ein Bild (Arbeitsblatt F.I.) auf dem Overheadprojektor an. Um zu vermeiden, dass nur auf Details geachtet wird, gibt das Leitungsteam folgende Arbeitsanweisung:

»Sie werden nun für kurze Zeit ein Bild sehen, auf dem eine Situation dargestellt ist, die Sie nachher dem oder der Nächsten, die wir herein rufen, erzählen sollen. Es kommt nicht darauf an, sich jedes Detail auf dem Bild einzuprägen. Bitte erzählen Sie einfach nur die Geschichte oder Szene, die auf dem Bild dargestellt wird bzw. was auf dem Bild passiert.«

Die Teilnehmerin oder der Teilnehmer erhält also die Aufgabe, der nächsten Person zu erzählen, was sie auf dem Bild gesehen hat. Das Bild selbst wird abgedeckt. Das Leitungsteam erklärt der zweiten Person, die herein gerufen wird, dass ihre Vorgängerin bzw. ihr Vorgänger ein Bild gesehen hat und nun schildern wird, was auf dem Bild passiert. Die Geschichte soll dann wieder an die nächste Person weitererzählt werden. Dies geht so weiter, bis alle Teilnehmenden über den Inhalt des Bildes informiert wurden. Am Ende wird die letzte Person dieser Gruppe gebeten, ihre Version einem Mitglied des Leitungsteams zu erzählen. Die im Raum gebliebene Gruppe hat die Aufgabe, Veränderungen in den Aussagen zum Bildinhalt genau zu notieren. Je ein Mitglied der Beobachtergruppe soll eine Person der herein Kommenden beobachten. Im Anschluss beginnt die Auswertung.

Die Teilnehmenden malen als Abschluss das Bild aus ihrer eigenen Erinnerung und notieren darauf, zu welcher der beiden Gruppen sie gehörten. Die Bilder werden im Seminarraum aufgehängt und dienen als Ausgangspunkt für die Reflexion.

Auswertung

Zu Beginn des Auswertungsgesprächs gibt zunächst die Beobachtergruppe alle Aussagen über den Bildinhalt in chronologischer Reihenfolge wieder. Die Teilnehmenden beschreiben dann, wie sich die Aussagen verändert haben. Die wichtigsten Aspekte werden an der Tafel oder auf einem Flipchart mitnotiert. Das Leitungsteam legt im Laufe der Diskussion ein zweites Mal das Bild auf, damit die Gruppe es mit den geäußerten Beschreibungen vergleichen kann. Sicherlich werden unterschiedliche Auffassungen bestehen, wie das ursprüngliche Bild zu beschreiben ist. Es wird die These diskutiert, dass jede individuelle Wahrnehmung kein zuverlässiges Abbild der Realität sein kann und alle Menschen ein Bild oder eine Situation aufgrund ihrer persönlichen Lebensgeschichte und ihrer sozialen Erfahrungen interpretieren. Die Problematik von Vorurteilen und Stereotypen als Auslöser oder Verstärker von Gerüchten wird thematisiert. Es wird überlegt, welche Konsequenzen dies in der gesellschaftlichen Realität haben kann.

Rahmenbedingungen

Zeit:

- 1,5 h

Material:

- Arbeitsblatt F. I.

- Overheadprojektor oder Computer mit Beamer

- Flipchart

- Moderationskoffer

Arbeitsmaterial

- Arbeitsblatt F. I.


Themen
  • Berichterstattung in den Medien
Schlagworte
  • Mediale Berichterstattung
  • Einstellungsmuster der Mehrheitsgesellschaft
  • Alltagsrassismus
  • Zuschreibungen
  • Othering
Zielgruppen
  • Multiplikator_innen/Lehrer_innen
  • Menschen mit Migrationsgeschichte/People of Color
  • Engagierte Bürger_innen
Mediengattung
  • Unterrichtsmaterial/Arbeitshilfe